Rosie Eisor

15.06.2026

Diagramm mit Kreisen in verschiedenen Größen auf schwarzem Hintergrund, Anordnung in einem nummerierten Raster.

Residency start

17.07.2026

Residency end

DE

Rosie Eisor wuchs inmitten bulgarischer Folklore auf, wenn auch nicht so, wie man es sich vielleicht vorstellt. Ihre Großmutter war eine berühmte Folkloresängerin aus der Dobrudscha. Ihre Lieder waren langsam – sie handelten von Trauer, der Aussaat und der Liebe. Es waren keine Darbietungen. Sie waren einfach der Klang der Welt, wie man ihn zu Hause hörte.  

Sie absolvierte ihre Ausbildung in Italien: Das Studium der Bühnenbildnerei in Florenz lehrte sie, verschiedene Welten zu sehen; das Studium der Bildenden Kunst und des Kuratoriums in Mailand lehrte sie, diese zu hinterfragen. Zwischen Brüssel und Berlin gründete sie gemeinsam mit anderen Künstler:Innen, die ebenfalls davon überzeugt waren, dass Kunst auch außerhalb von Galerien existieren könne – in Büchern, an Wänden, überall – das Kollektiv „Blood Becomes Water“.  

Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Textilkunst, Illustration und Self-Publishing. Sie greift auf Rituale, Aberglauben und imaginäre Folklore zurück. Rosie interessiert sich dafür, was mit alten Geschichten geschieht, wenn sie auf die Gegenwart treffen. Ihre Werke verwischen die Grenzen von Hautfarbe, Geschlecht und Klasse – und schaffen Figuren, die sich nicht leicht benennen oder einordnen lassen. Dies ist eine Antwort auf Ausgrenzung - nicht durch Aussagen, sondern durch schlichte Präsenz ihrer Kunstwerke.  

Im Jahr 2025 vertrat Rosie Eisor Bulgarien auf der Architekturbiennale in Venedig mit einem monumentalen Wollteppich, dessen Muster auf Wettermythen basierte. Obwohl dieser als architektonisches Element konzipiert war, über das man hinweggehen sollte, hielten die Besucher stattdessen inne, setzten sich hin und verweilten. Was als Durchgang gedacht war, wurde zu einem Ort der Ruhe.  

Für die Residenz in Wiltz möchte Rosie Eisor etwas schaffen, das bewegt – im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Sie wird eine Reihe von Vogelhäuschen aus natürlichen und recycelten Materialien entwickeln, die den öffentlichen Raum bevölkern sollen, sowie eine neue Textilkollektion für ihre bevorstehende Einzelausstellung in Bulgarien. Beide Projekte setzen ihre Auseinandersetzung damit fort, wie persönliche Rituale zu öffentlicher Präsenz werden, und stehen im Einklang mit dem Schwerpunkt von DIALOGUE auf dem Austausch zwischen Künstler:Innen und Gemeinschaft. 

EN

Images © Rosie Eisor

Ein Bild mit einer Vielzahl von mathematischen Symbolen und Zahlen in Schwarz auf weißem Hintergrund, was einen abstrakten mathematischen Kontext darstellt.

Rosie Eisor grew up surrounded by Bulgarian folklore, though not as most imagine. Her grandmother was a famous folklore singer from Dobruja. Her songs were slow – about mourning, planting, love. They were not performances. They were simply how the world sounded at home. 

She trained in Italy: scenography in Florence taught her how to see worlds; visual arts and curatorial studies in Milan, how to question them. Between Brussels and Berlin, she co-founded the collective Blood Becomes Water with those who believed art could live outside galleries – in books, on walls, anywhere. 

Her practice moves between textile, illustration, and self-publishing. She draws on rituals, superstitions, and imagined folklore. She is interested in what happens to old stories when they meet the present. Her pieces obscure race, gender, and class – creating figures that cannot be easily named or placed. This is a response to marginalisation not through statements, but through presence. 

In 2025, Rosie Eisor represented Bulgaria at the Venice Architecture Biennale with a monumental woolen carpet woven from weather myths. Though commissioned as an architectural element to be walked over, visitors instead paused, sat, and stayed. What was meant as a passage became a space for rest. 

For the residency in Wiltz, Rosie Eisor wants to make something that moves – literally and metaphorically. She will develop a series of birdhouses from natural and recycled materials to inhabit public space, alongside a new textile collection for her upcoming solo exhibition in Bulgaria. Both projects continue her exploration of how private rituals become public presence, aligning with DIALOGUE’s emphasis on the exchange between artist and community.